Porträt des Monats -

 

hier stellen wir, thematisch nicht weiter festgelegt, Interessantes
aus dem Umfeld  unseres Wirkens in Bild und Text vor.
Und haben uns damit kräftig unter Druck gesetzt,
daran erkennbar, dass es manchmal nicht klappt
bei den vielen anderen dringender zu erledigenden Dingen

 

 

 

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Prinzipiell rege ich mich schon auf, wenn ich ein Porträt des Monats nicht geschafft habe. Weil ich veraltete Seiten schlimm finde- auch wenn manche Information schon der Entwicklung (oder auch Nicht-Entwicklung) wegen schnell greifbar bleiben sollte und daher nicht ins Archiv wandert.

Der Dezembertext musste ausfallen. Müssten sowieso wieder mehr richtige Porträts sein statt Berichte zu den herausragenden Monatsereignissen. Ich arbeite dran.
Porträts werden oft vom Alltagsgeschäft überlagert. Jede Menge Gespräche zu GAP und Wolf und ein gewisses Wundern, warum die Schafhaltung in NRW nicht in den Zweite-Säule-Programmen extra gefördert wird. 

Und jetzt mal ein Spagat mit einem Hundeporträt ohne Erklärungen- und den Erkenntnissen, die einem so bei der Bearbeitung der zum 1-1-2022 in Kraft getretenen Tierschutzhundeverordnung aus Sicht vorrangig der Herdenschutzhunde ins Auge springen.

junge Rüden Pyrenäen-Berghund

Die neue Tierschutzhundeverordnung ist in Kraft getreten. Diverse Konflikte der Vergangenheit sind damit hoffentlich beigelegt (es ging vorzugsweise um "Hütten").

Für Herdengebrauchshunde und Herdenschutzhunde sind die Betreuungszeiten für zu Herden gehörende Welpen, die Temperatur für Welpen bis 20 Wochen, den Abstand zum Stromzaun und die Definition des Liegeplatzes nach wie vor anzusprechen. Unsere Tierschutzreferentin hat für Problemsituationen praxisgerechte Hilfe angeboten.

Mit Erziehungshilfen haben natürlich auch an Herden arbeitende Hunde Schwierigkeiten, allerdings nicht so extrem, wie die Züchter von Schutzhunden, die teils über Stornierungen bestellter Welpen bei Polizei u.ä.  klagen, da diese nicht mehr adäquat ausbilden könnten.

Ein HSHWelpe, der erstmals locker angeleint wird, schreit u.U. die gesamte Nachbarschaft zusammen. Oder er bewegt sich nicht vom Platz, weil allein das Anlegen eines Halsbandes" seine Würde und Freiheit einschränkt"- wir haben da schon die interessantesten Reaktionen bei unseren Hunden erlebt. Für unvoreingenommene Betrachter alles tierschutzrelevant.


Problematisch ist immer wieder die Finanzierung der Schulungen und Sachkundenachweise, die nicht gerade preisgünstig sind, wenn man Anbieter nimmt, wo auch wirklich nachhaltig Gelerntes hängenbleibt. Die Herdenschutzberatung wünscht sich mindestens zwei Schulungstermine pro Jahr.

Ursprünglich war angedacht, den Erwerb der Sachkunde zu fördern. Rheinland- Pfalz z.B. unterstützt seine Teilnehmer hier auch entsprechend, während die Schulungswilligen aus NRW alle Kosten allein zu tragen haben.

Ebenso, wie wir gute Herdenschutzhunde brauchen, brauchen wir sachkundige Halter. Vielleicht kann man da seitens des Landes die zugesagte Unterstützung beim Erwerb der Sachkunde tatsächlich endlich umsetzen.

 

Und da komme ich zum wichtigsten Knackpunkt.

Deutschland und seine Bundesländer propagieren den Einsatz von Herdenschutzhunde. Diverse Organisationen auch- und für viele Bürger bleibt es bei der Aussage "stellt doch Hunde hinter den Zaun, dann ist alles in Ordnung". Einige Regionen stellen HSH als mildes Mittel zur Disposition, wenn es um sehr übergriffige Wölfe geht.

Mit der Verordnung ist nun etwas mehr Sicherheit für die Haltungsbedingungen dieser Hunde geschaffen-

aber im Endeffekt bleibt es beim Einsatz von HSH in einer extremen Grauzone.

Aus Bundesländern mit ständiger Wolfspräsenz erreichen mich Meldungen, dass die entsprechenden Behörden die Haltung und die Halter unterstützen, wenn Wildschweine durch den Zaun gerannt sind und die Hunde auf der Straße unterwegs- oder wenn die Tiere in Ausübung ihrer Arbeit eben mit eintretender Dämmerung noch aktiver und damit auch lauter werden. Dort nähmen die Beteiligten das Wohl der Herdentiere so ernst, dass auch z.B. Beschwerden besorgter Bürger, denen ein draußen arbeitender Hund nicht gepflegt genug vorkommt, nicht zum Nachteil des Herdenschutzes eskalieren. (Wie bei Schafen gibt es auch bei den sie beschützenden HSH welche, die statt auf ihrer trockenen Unterlage im dicksten Dreck wühlen müssen und sich bei freiem Auslauf davon nicht abhalten lassen...). Polizei, Ordnungsamt und Veterinärämter scheinen zum Wohl der Tiere zu agieren.

 

Dort, wo der Wolf noch nicht zur Tagesordnung gehört, sieht das oft ganz anders aus.

 

Die Lärmbelästigung durch Herdenschutzhunde ist ein auch bei den sie Einsetzenden kein unbekanntes Thema, und es wird viel versucht, diesen Lärm zu reduzieren. Züchterisch geht da manches, und auch im Einsatz sind die Halter durchaus bemüht. Physikalische Gesetze allerdings lassen sich genausowenig ausschalten wie z.B. Wetter.

 

Schweigende Hunde werden ihrer Aufgabe genausowenig gerecht wie solche, die zur Mittagszeit und nachts eingesperrt werden. Es geht ja gerade um "Präsenz zeigen, sich groß und laut darzustellen", um jedwede Bedrohung von den Herdentieren fernzuhalten.

„Bedrohung“ sind auch Hundespaziergänger, die nachts um zwei vor der Weide mit dem Hund spielen, weil der eigene Hund nicht schlafen kann...oder die, die nachts mit blinkender Beleuchtung und ebenso blinkendem Hund keuchend durch die Gegend joggen. Alle zu jeder Tageszeit wissend, dass dort Schafe und Hunde stehen. Und Schilder mit "eigene Hunde anleinen und zügig an der Herde vorbeigehen", ...

Übermotorisierung eigentlich für Durchgangsverkehr gesperrter Straßen sowie enormes Publikumsaufkommen "Naturhungriger," die weder Rücksicht noch Verständnis für diese Natur aufbringen, sind seit Corona exponentiell gestiegen.

Schon immer gab es Menschen, die durch anderer Menschen Flächen und Tiere laufen und den Schäfer anzeigen, weil dessen Hütehund das nicht toll findet.

Um wieviel mehr der HSH, der hierzulande hinter seinem Zaun zu stehen hat , wo er sich zumindest darauf verlassen können sollte, dass Abstand hält, wer dort nicht hingehört.

Die meisten HSH kennen Besucher an ihren Herden- in Anwesenheit des Halters- und sind dahingehend gut sozialisiert. Zauntreue ist ein wesentliches Selektionsmerkmal.

Viele Spaziergänger halten sich zumindest direkt vom Zaun fern- aber Bällchen spielen mit dem eigenen Hund oder fünfmal mit dem Bike schreiend oder motorjaulend auf und ab fahren muss an keiner Tierherde sein, erst recht nicht mit HSH. Natürlich bellt da irgendwann auch der ruhigste Hund. Wenn es der eigene ist, ist das auch kein Problem für den Bürger, nur wenn da ein Hund mit Job sich erlaubt, diesen angemessen auszufüllen.

 

Etliche Halter von HSH berichten von Anzeigen, Wegnahmeandrohungen, Lärmprotokollen, die ja in der Thematik bellender Nachbarshunde allenthalben angeraten werden- und was ist mit dem "staatlich angeratenen" Herdenschutzhund?

Dorfnahe Weiden/Ställe nicht mehr nutzen? Wie weit? Gebell hallt- Oder die Tiere dort ungeschützt lassen, mit allen dann eintretenden Folgen bis hin zu "hättest Du doch Hunde eingesetzt!"...? Ständige Beschwerden, die zur Abschaffung gut sozialisierter (und natürlich dennoch bellender) HSH führen, können es nicht sein, auch nicht in Zeiten, in denen auf dem Land das Krähen von Hähnen und Kuhglocken zeitlich reglementiert oder verboten werden.

Die gewünschten HSH muss übrigens auch  jemand züchten und mit vielfältigen Reizen konfrontieren, damit sie artgerecht und sozial kompatibel aufwachsen. Auch das funktioniert im Herdenkontakt, auf Weideflächen und nicht  hinter Schallschutzwänden.

Es kann und darf nicht sein, dass mit dem Einsatz von HSH an Herden jederzeit eine Ordnungswidrigkeit oder auch Straftat "erzeugt" werden kann, weil die derzeit geltenden Vorschriften prinzipiell über den für alle Hundehalter gleichermaßen geltenden Regeln stehen.

 

Und da sprechen wir noch nicht von der Situation, dass HSH einen Wolf nicht vertreiben, sondern stellen, verletzen oder gar töten.

 

Die Anzahl der Mittel, mit Wölfen zu leben, ohne auf Weidetiere zu verzichten, ist bislang sehr überschaubar. Bei jenen Wölfen, die Zäune nicht akzeptieren, werden HSH Alternative zur kompletten Aufgabe. Wer sich Herdenschutzhunde "antut", von Aufwand und Kosten schon eine Herausforderung, sollte sich zumindest in einem abgesicherten rechtlichen Rahmen bewegen dürfen.

Sonst werden wir zukünftig einheimische Tiere und ihre Landschaften nicht mehr in der Natur erleben, nur noch in Parks und Museen. Vielleicht mit ein paar Nutztieren als Alibi.

Und der Mittagsschläfer trotzdem keine Ruhe haben, solange es noch Menschen in seiner Umgebung gibt.

 

Daher die ganz dringende Bitte, sich dieser sehr umfassenden Thematik anzunehmen.

 

Hier müssen wir dringend klare Regeln schaffen.

Man kann nicht einerseits Werkzeuge anraten und zumindest teilweise auch noch fördern, andererseits ihren Einsatz de facto unmöglich machen.

 


 

November. Gar nicht so grau, sondern oft mit wunderbarem Licht. Erste Fröste verzaubern Laub und Gräser, erster Schnee deckt zu, was man vorher noch sah, jetzt nur erahnen kann.

Alles zudecken kann er nicht. Die Aussichten zur neuen Agrarreform stellen die Beweider von extensivem Grünland ganz weit hintenan. Also bekommen jene, deren Leistung vorher schon nicht ausreichend honoriert wurde, nun noch erheblich weniger. Etwas mehr allerdings (also etwas weniger weniger) durch die Weidetierprämie. Die war allerdings ursprünglich nicht als modellierender Ausgleich von zuviel Minus geplant, sondern als Extra zum Erhalt einer sonst nicht zu erhaltenden Form traditioneller Bewirtschaftung.
Das war auch die Argumentationsschiene, eine weitgehend abgelehnte gekoppelten Prämie dann doch durchzusetzen. Beinah hätte ich jetzt "Schnee von ghestern" geschrieben-.

Mir fehlen kreative Verwalter, die den Wegfall angeblich bewährter Programme mit neuen, kreativen Paketen ersetzen. Aber das Interesse daran ist vermutlich nicht so groß wie die Worte, sonst gäbe es längst etwas. Lange genug Zeit gehabt hätte man ja.

Mir fehlen Menschen, die wissen, dass dem Klimawandel entgegenzutreten viele Aspekte beinhaltet und nicht nur den jeweils bevorzugten eigenen Weg durch den eigenen Tunnel. Es muss das Ganze im Blick bleiben, eine ungeliebte Übung für die Spezialisierungsfreunde heutiger Zeit,  die sich auf allerkleinste Teile beschränken, bei denen man tatsächlich Erfolg haben kann. Die aber in ihrer Wechselwirkung mit den anderen Teilen keine oder gar negative Auswirkungen haben.. Es genügt nicht, wenn hier drei Puzzlestücke zusammen passen und da hinten noch zwei. Daraus entsteht kein intaktes Gesamtbild.
Dafür müsste man, wenn man selbst schon nur kleine Bereiche überschaut, viele finden, die sich ähnlich kleinteilig bewegen. Und ein paar haben, die größer denken nd gucken, Verbindungen herstellen und teile zu einem Ganzen zusammenzufügen vermögen. Und wenn dan doch mal eines fehlt, hält der Rest dennoch das Ganze zusammen.

So improvisieren Herden ihr Leben. So funktioniert Natur.
Die Insekten, deren Sterben wir evaluieren, statt ihnen artenreiches Grünland zu geben. Die Kohlenstoffbindung ist ein grioßartiges Stichwort, im Zusammenhang mit den ohnehin zu wenigen Mooren Werbetröger, beim leidenden Wald zumindest noch Aquise für Geldfluss. Beweidetes Grünland- uninteressant, die Studien dazu sind so einleuchtend, damit lohnt sich nicht zu beschäftigen.
Die Wasservorräte, die wir durch Bodenbewirtschaftung zerstören oder erhalten können- und seit langer Zeit Methoden und Wege kennen, die wir warum auch immer nicht breitflächig nutzen. Wahrscheinlich nicht lukrativ genug...

Doch Novembergrau. Welches Lebewesen sägt so überinformiert und so dämlich an dem Ast, auf dem es sitzt, freut sich, dass es dazu eine stylishe Motorsäge mit "umweltfreundlichem", weil woanders schädlich hergestelltem Treibstoff benutzen kann und hält sich noch immer für die Krone der Schöpfung? Um eine Krone zu tragen, muss man verantwortlich mit jenen umgehen, die einen zum König gemacht haben. Niemand außer Menschen wäre auf die Idee gekommen- und selbst da brauchen wir von Verantwortungsbewusstsein in der Breite nicht zu reden.

Dennoch treffe ich immer wieder unversehens auf die Anderen, die Wenigen, die gar nicht so wenige sind. Die keine große Chance sehen und es trotzdem wagen. Die sich leisten, mitmenschlich und verantwortungsvoll zu handeln. Und ehrlich sind. Das macht Mut, aller Realität zum Trotz. Wie sagte neulich jemand, der eigentlich nur kurz ein Fell kaufen wollte: "Solche Begegnungen müssen die Durststrecke überbrücken bis zur nächsten Begegnung mit richtigen Menschen".  Ja.
Und nun die Bilder, die eigentlich den schönen November auf der Herbst-Winter-Weide darstellen sollten- wieder abgedriftet in den Alltag, in die nicht verstehbare Realität, die so viel Schönes parat hat und nicht wertschätzt. Aber darüber schimpfen reicht nicht.
Also aufstehen, weitermachen. Ohne Aussicht auf Besserung getröstet durch eine wunderbare Natur, deren Teile alle großartig gefügt sind.

Novembermorgen...nesselt nicht mehr Eislichter
Ich bin dann mal bei den Schafen.