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Porträt des Monats -

 

hier stellen wir, thematisch nicht weiter festgelegt, Interessantes
aus dem Umfeld  unseres Wirkens in Bild und Text vor.
Und haben uns damit kräftig unter Druck gesetzt,
daran erkennbar, dass es manchmal nicht klappt
bei den vielen anderen dringender zu erledigenden Dingen

 

 

 

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Im März gibt es eine Bildergeschichte aus dem Lammzeit-Stall.
Jede Geburt ist anders, das unterscheidet Schafe nicht von anderen Lebewesen- aber die nachfolgende war irgendwie spezieller:

ganz normal, Füße und Kopf sind auf dem Weg nach draußen.

Um das Ganze zu erleichtern, dreht sich das Mutterschaf, streckt sich, steht auf und legt sich wieder und singt- manche ewiglange Arien, diese Dame eher im Rahmen, allerdings sind die Bewegungen teils diversen Yoga-Übungen nicht unähnlich.
Jedenfalls lässt sie sich viel Zeit-

wenn das Lamm schon so weit ist, genügt ein wenig Druck, es in die Welt zu entlassen. Üblicherweise im Liegen. Für beides ist Mutter derzeit nicht parat.

auf dem Weg in die Draußen-Welt

Neugier
endlich liegt sie

geschafft !
endlich ist es soweit (und man steht da und weiß, dass man nicht vorzeitig eingreifen soll, und die Mutter rödelt herum und stellt Schafhalters Geduld auf die Probe- unbeabsichtigt natürlich, ist sie doch anderweitig hinreichend beschäftigt...): 
die Mutter hat sich schließlich doch hingelegt und mit zweimaligem Pressen das lange Warten beendet- der kleine Nachwuchs ist da.

Das Lämmchen aus der Nachbarbox hatte den zukünftigen Spielkameraden schon mal inspiziert, während er im Geburtskanal steckte

...üblicherweise steht die Mutter nun auf, gibt leise Töne von sich und leckt ihr Kind sauber und trocken, wobei die Bindung gefestigt wird.
Schafmuttern wissen genau, welches ihr Kind ist; das Lamm braucht zwei bis drei Tage, um in der Menge genau die richtige Mutter zu finden. Dies geschieht auch über Stimme, vor allem aber über den Geruchssinn (dass Schafe derartige Nasentiere sind, erstaunt den Laien). Um diesen Prozess zu stärken, kommen Mutter und Kind(er) in eine separate Box, wo sie sich aneinander gewöhnen können, bevor es sukzessive in größere Grüppchen geht.
Fremde Lämmer werden nicht gesäugt. Deswegen ist die Mutter-Kind-Bindung von elementarer Bedeutung. Manchmal nehmen Mütter eines der Lämmer nicht an (Wiederholungstäterinnen bekommen trotz vom Aussterben bedrohter Rassen dann keine weiteren Kinder, zeichnen sich doch solche Rassen durch hohe Mütterlichkeit aus und müssen sich unter widrigsten Umständen um ihren Nachwuchs kümmern- wie sonst hätten sich diese alten Rassen auf kargen Standorten so lange halten und entwickeln können...).
da bist du ja

rangerobbt

...diese Mutter allerdings ist zwar ungeheuer lieb und fürsorglich, macht aber keinerlei Anstalten, aufzustehen, obschon jung und stark.
Soll sich der Nachwuchs doch selbst auf den Weg machen...

Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet eben zum Berg gehen. Robben in diesem Fall, bis man unter Mutters warmem Maul zu liegen kommt.

Schafe müssen schon früh nach der Geburt stehen und laufen können- aber ganz so früh klappt es noch nicht mit der Koordination.
Der nächste vorprogrammierte Schritt ist die Suche nach einem Rechten Winkel, unter dem sich eine Milchquelle befinden muss...


endlich steht die Mutter
und das Lamm versucht auch, auf alle Viere zu kommen


Etwas stakelig geht es voran, mit vier langen und noch schwer zu koordinierenden Beinen. Während Mutter weiter eifrig mit Putzen beschäftigt ist, wird der Nachwuchs nun sehr lebendig.  Musste ja auch lange genug warten.
Die noch tragenden Mutterschafe in dieser Box sind mäßig interessiert an dem Neuen. Der schon mal unter ihnen nach der besagten Milch sucht. Da wendet frau sich lieber ab und geht woanders fressen.
Besser als die übermäßig Begeisterten, die schon Tage oder Wochen vor der eigenen Lammung jedes Lämmchen hormongesteuert belecken- und damit den spezifischen Geruch des Lammes stören, so dass die richtige Mutter den Nachwuchs, der von einer solchen Tour unter den Zungen der Tanten her zurückkommt, möglicherweise nicht mehr akzeptiert. Das passiert besonders oft, wenn der erste Zwilling schon mobil ist, der zweite gerade geboren wird. Grund für uns Menschen, hier besonders gut aufzupassen

falsche Richtung

das ist der Papa, da gibt es keine Milch


ein neues, großes Schaf erscheint auf der Bildfläche-
zack drunter, Euter suchen.

Allerdings ist dies der Vater, der sehr freundlich ist und bei den Ablammungen nicht stört. Auch ist er nicht frustriert, wenn alle Damen gedeckt sind und lässt es dann an ihnen aus, indem er sie vom Futter wegjagt oder sie in eine Ecke scheucht- auch solche Böcke gibt es, die wandern nach getaner Arbeit dann in den separaten Böckstall, zur Sicherheit für Mütter und Kinder.

Aber diesem Lamm klarzumachen, dass dort, wo es sucht, sicher keine Milch ist-

das ist dann auch dem gemütlichsten Vater zu viel.
Zeit für Mutter und Kind, sich endlich zu finden, nachdem alle anderen das Feld geräumt haben


Gute Muttern heben oft ein Hinterbein, um dem unerfahrenen Lamm den Weg zum Euter zu erleichtern. Das tut auch dies Schaf, das zum ersten Mal gelammt hat und trotz anfänglich recht divenhaften Benehmens eine tolle Art hat, mit ihrem Kind umzugehen.

Um sich in Ruhe aufeinander konzentrieren zu können, kommen Mutter und Kind nun in ihr separates Abteil. Damit ein Schaf seinem Lamm freiwillig folgt und nach dem Geburtsstress nicht noch aufwendig gefangen werden muss, trägt man es vor ihm her, so dass die Mutter dem Geruch folgen und in aller Ruhe verpackt werden kann-
wenn sie auf der Weide gelammt hat, gelangen beide auf diese Weise in den Anhänger, der sie zum heimischen Stall bringt-
in der Box geht es zum kürzer zum Rooming-In für Mutter und Kind. 

Dies ist eine absolut tiergerechte und schonende Form des Umgangs-manchmal muss man noch Schleim aus Nase und Rachen des Lammes entfernen, dann wird es kopfüber getragen. Wo viele Gerüche und weite Wege sind, schon mal zwischendurch abgelegt, um es der Mutter leichter zu machen, nachzukommen. Wenn man es mit dem Kopf nach oben trägt, achtet man darauf, dass das Köpfchen nicht wegknickt (wie bei menschlichen Babies auch).

folge dem Duft

dann genießt erstmal die Ruhe, Ihr Beiden.

Die Tiere in den Nachbarboxen haben die Einzelzimmer schon hinter sich, und nun laufen Muttern und Lämmer zusammen, erst in kleinen Gruppen, später in größeren, bis sie als Mutter-Kind-Herde wieder raus können in dann hoffentlich vorhandenes frisches Grün.

Die Entlassung in eine größere Gruppe ist immer mit viel Geblöke verbunden, bis man sich so wiedergefunden hat. Und wenn man an der falschen Milchquelle sucht, gibt es auch schon mal eine Watschen.

Aber wenn man Ohren und Nase einsetzt, ist alles gut.

Das hoffen wir nun auch für das Lämmchen dieser Bilderserie- vielleicht werden wir noch Interessantes davon zu berichten haben.


Moorschnuckenlamm

 

 

...frohe Ostern für alle Freunde dieser Internetseite - und für alle, die sie nur so lesen oder ... und für alle, die gute Wünsche brauchen

 

 

 

und, weil er die Dinge so schön auf den Punkt bringt, ein Facebook-Beitrag von Anna Kimmel (http://wanderschaeferin.blogspot.com/), den sie mir hier zu nutzen erlaubt hat:

Lämmer zu Ostern

Zu der Behauptung Schäfer würden die im Frühling neugeborenen Lämmer zu Ostern schlachten.
Nein, tun wir nicht!
Ein Schaf wechselt mit einen Jahr das erste paar Schneidezähne.
Bis dahin gilt es als Lamm.
Lämmer werden geschlachtet, wenn sie schlachtreif sind, dass heißt rund oder auch abgedeckt über dem Rücken und von der Größe, durch einen unerfahrenen Betrachter, nicht mehr von einem Schaf zu unterscheiden.
Der Begriff Milchlamm ist ein rechtlich nicht kategorisierter Begriff, der nichts anderes beschreibt als ein solches oben beschriebenes Lamm. Damit soll dem Kunden Zartheit suggeriert werden, da sich hartnäckig das Gerücht hält, Schaffleisch sei zäh. Dabei würde sogar ein Schaf über einem Jahr noch gut schmecken, das Fleisch wird nur etwas fester.
Der angeblich talgige Geschmack, den sich viele vorstellen, bezieht sich auf Hammelfleisch. Das stammte früher von einem älteren, kastrierten Bock, der in der Herde mitlief und das, was das Mutterschaf zum Lämmer austragen und groß ziehen verwendete, in Fett umsetzte. Solche Hammel sind heute nicht mehr zu bekommen, der Verbraucher ist zu sehr gewohnt Fleisch zu essen, das in Konsistenz und ich denke sogar Geschmack einem Wackelpudding gleicht.
Somit sind Tiere, älter als ein Jahr nicht mehr zu vermarkten.
Ein Lamm wird im Herdenverband geboren, wächst dort umsorgt von Mutter und Schäfer heran. Mit etwa drei bis vier Monaten werden die Böckchen abgetrennt, sie haben nun ein Alter in dem sie sonst ihre Mütter und Schwestern decken würden. Es ist die natürliche Zeit für ein junges männliches Tier die Herde zu verlassen. Nun sind sie aber im allgemeinen noch nicht schlachtreif, leben also im Lämmerverband weiter.
Ein vorzeitiges oder zu frühes absetzen der Lämmer würde nicht nur zu Verlustängsten auf beiden Seiten führen, sondern auch zu massiven Euterproblemen bei dem Muttertier. Etwas was kein Schäfer haben möchte.
Wie das Paradoxon entstanden ist, dass der Verbraucher zu Ostern, wenn Lämmer gerade erst geboren werden, Lamm essen möchte, weiß ich nicht.
Es treibt auf jeden Fall den Preis in die Höhe, wobei, nicht nur wegen Ostern, sondern einfach auch, weil es um diese Jahreszeit wenig Lämmer zu kaufen gibt. Um diesen Markt nicht ganz Neuseeland mit seinen umgedrehten Jahreszeiten zu überlassen, wo das Fleisch um die halbe Welt gereist ist, bis es hier im Laden als frisch verkauft wird, legen viele Schäfer kleinere Lammzeiten in den Herbst. Diese Lämmer sind dann zu Ostern fertig. Doch die meisten Lämmer werden in Deutschland immer noch um die Osterzeit geboren und da nicht geschlachtet.
Wir Schäfer sind gezwungen unsere Lämmer im ersten Jahr marktfertig zu bekommen, da wir unter den wirtschaftlichen zwängen des Weltmarktes stehen. Die Direktvermarktung lohnt sich in den wenigsten Fällen, nicht nur ist der Arbeitsaufwand dafür immens, und Schäfer kämpfen schon am Rand des menschlich machbaren. Auch hat Staat und EU mit ihren Auflagen dafür gesorgt, dass eigene Schlachträume nicht finanzierbar sind und, bis auf den Freistaat, der Sonderregelungen geschaffen hat, alle kleinen Schlachtbetriebe die auch kleine Mengen an Tieren schlachteten, dicht machen mussten.
Die Schäferei ist die letzte Tierhaltung in denen Nutztiere flächendeckend in Freiheit ihr ursprüngliches Leben artgerecht leben dürfen.
Um so mehr wundern mich diese Kampanien dagegen, gerade von denen, die uns doch unterstützen müssten.
Ist es weil sie keine Ahnung haben? Weil sie prinzipiell gegen jede Art der Tierhaltung sind und glauben die Welt könne mit Technik und Industrie ohne diese leben? Weil sie gegen industrielle Massentierhaltung nicht ankommen, und es einfacher finden, die die schon am Boden liegen, die letzten Stiche zu geben?
Ich kann verstehen, dass Menschen für sich entscheiden, kein Tier und auch dessen Produkte zu verwenden.
Was ich nicht verstehe ist der Kreuzzug gegen uns Schäfer.
Zuerst sollte man bei sich selbst anfangen, was ist mit dem Kobold-Mienen-Kindersklaven-Handy, den in Bangladesch mit Bluthänden genähten, die Meere verseuchenden Plastikklamotten, der dreifach in Plastik eingeschweißten, veganen Chemiepseudowurst?
Was? Da werden ja keine Tiere getötet? Wer glaubt, dass da wo Umwelt, Natur und Menschen leiden, gefoltert und zerstört werden, keine Tiere leiden und sterben, ist wirklich blauäugig.
Und wenn wirklich auf all das geachtet wird? Ist dann die kleine Schäferei der Platz um mit seinem Kreuzzug zu beginnen?
Besonders wo der bequeme Verbraucher nicht aufhören wird Fleisch zu essen, aber sich vielleicht überlegen würde, besseres zu kaufen, hätte er eine Bezugsquelle.
Denn er wird mit dieser Kampanie gegen Lamm zu Ostern mit Sicherheit nicht auf seinen Osterbraten verzichten. Und Schweinchen und Kälbchen sind auch süß, frag mal nach deren Leben!
Wir Schäfer decken gerade mal 44% des deutschen Lammfleischmarktes, ich vermute, Ostern sogar noch weniger. Also trifft es uns nicht finanziell, was regen wir uns dann so über diese Osterlamm-Hassbotschaften auf?
Ganz einfach, es kränkt und verletzt.
Alleine die Vorstellung der liebevoll brummelnden Mama ihr kleines, leise zur Antwort zirpendes Lämmchen weg zunehmen. Die Mutter, die nun ihrem Lamm überall hin folgen würde. Das Lamm, das wir deshalb nicht an uns gekuschelt tragen, da es nicht unseres ist, nicht unseren Geruch annehmen soll, das wir an den Vorderbeinen tief über dem Boden tragen, damit die Mutter es immer dicht vor der Nase hat, so ihrem Lamm in die ruhige Einzelbucht folgen kann. Dieses Band der Liebe mit Gewalt zu zerreißen, unvorstellbar entsetzlich!
Mein Vater, gestandener Schäfermeister, bereits im Rentenalter und immer noch aktiv für seine Herde, erzählt gerne diese Geschichte aus seiner Lehrzeit:
Er war noch am Anfang seiner Ausbildung, als eines Tages in der Lammzeit ein großer Schlitten auf den Hof gefahren kam. Heraus stieg ein geschniegelter Mann in Anzug.
Er sei ein Gourmet!
Und wolle gerne ein kleines Babylamm zum essen kaufen, Preis spiele keine Rolle.
Der alte Schäfermeister Stritzel dachte nicht etwa, hier kann er ein mutterloses Lamm, dessen Aufzucht mehr Geld kostet, als es jemals wieder rein bringt, vergolden.
Nein.
Meister Stritzel griff seine Schäferschippe und jagte das Arschloch lautstark von seinem Hof.
So sind wir Schäfer!

https://www.change.org/p/rettet-die-letzten-sch%C3%A4fer-in…