Porträt des Monats -

 

hier stellen wir, thematisch nicht weiter festgelegt, Interessantes
aus dem Umfeld  unseres Wirkens in Bild und Text vor.
Und haben uns damit kräftig unter Druck gesetzt,
daran erkennbar, dass es manchmal nicht klappt
bei den vielen anderen dringender zu erledigenden Dingen

 

 

 

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Und  trotz allem wird Frühling. Trotz allem ist Ostern.
Sonne, Schnee, Sturm. Erste Blüher trotzen dem ewigen Wechsel.
Sie können es besser als wir, sich anpassen, mit extremem Hin und Her klarkommen, Schwierigkeiten aushalten. Wenn sie daran nicht eingehen. Die Botschaft von Ostern: das Dunkle ist nicht das Ende.

                                       Frohe Ostern

Schlüsselblumen

Buschwindröschen

auch in den Naturschutzgebieten blüht schon was

Hahnenfußwildes Veilchen

aber nur, wenn man von Nahem guckt

noch ganz schön öd


 

 

Der März, geprägt von vielen jungen Gesichtern, die hier im Stall ihren Platz suchen, Frühlings-Schnuckenlämmer in "gehörnt und ungehörnt", Pyrenäen-Berghund-Azubis vom Oktober.
Leider coronabedingt wieder keine Menschenkinder, die diesen Prozess miterleben dürfen...

Hunde und Lämmer lernen, miteinander zu leben. Solange nicht zu viele von der einen oder anderen Sorte auf einmal auftauchen, geht alles ruhig vonstatten. Man muss sich arrangieren, ohne einander zu belästigen. Das lernt sich bei genug Ausweichraum fast von allein. Ganz selten muss mal ein Erwachsener eingreifen, Hund, Schaf oder Mensch. Denn die Freiheit des Einen endet dort, wo die des Anderen beginnt. Tiere   lernen das schnell...

neugieriges Lamm WGH, weiblich    junger Herdenschutzhund passt auf

ein Schläfchen muss sein    eine kleine Moorschnucke

WHH   

 


Februar. Die Lammzeit beginnt. Mit Weißen Gehörnten Heidschnucken.

Der Stall ist eingeschneit. Die Herdenschutzhunde genießen den Schnee, den Schafen ist es egal, wenn nicht gerade der Sturm den Schnee durch die Spaceboardwände treibt. Und dann- eigentlich auch.

Später im Monat Frühling, extrem warme Temperaturen.

Wechselhaftes Wetter. Wechselhafte Gefühle, mit jedem Gutachten zur wirtschaftlichen Lage der Schafhaltung, jedem Entwurf, der zur Agrarreform durchdringt.

Die Schafe stört es nicht. Sie machen sich keine Gedanken dazu. Sie bekommen ihre Lämmer, wie seit Jahrtausenden...die stehen ruckzuck auf den kleinen Beinen und finden die Milchquelle bei ihrer fürsorglichen Mutter. Gut, früher gab es keine schweren vorgeschriebenen Ohrmarken, die die kleinen Ohren lange hängen ließen.
Aber ansonsten- nichts Neues unter der Sonne.

Lamm WGH

gerade geboren, Euter schon entdeckt

 

 

 


 

...eigentlich sollte es ja mal wieder ein richtiges Porträt werden, von einer Pflanzen- oder Tierart. (Gelobe Besserung).

Stattdessen fasse ich zusammen, warum wir nach zwanzig Jahren um ein Haar unsere Mitgliedschaft bei Bioland verloren hätten.
Wenn man Schafe hält, ist man in den allermeisten Fällen sehr nah an "Bio", aber ohne Siegel. Als wir uns seinerzeit dazu entschlossen haben, einem Anbauverband beizutreten, war uns klar, dass an diesem Ende der Welt das keine großen Auswirkungen auf die Verkaufspreise haben würde- es ging auch eher um das Gesamtkonzept.
Wer im Einzugsbereich kaufkräftiger Städte wohnt, hat es da sicher leichter. Jahrelang haben wir Unterstützung auch der anderen Betriebe angemahnt, funktionierende Vemarktung auch jenseits von Gemüse und Babynahrung- vergeblich. Das trägt man aber, wenn man von der Idee überzeugt ist.
In der ganzen Zeit haben wir kräftig zugebuttert. Haben uns oft gewundert, ganz verschiedene Kontrolleure und Schwerpunkte kennengelernt, jede Preiserhöhung mitgemacht, obwohl deutlich war, dass sich das betriebswirtschaftlich eher nicht rechnet. 
Nun hatte uns ein Erlass bedroht. Auf vielen Flächen darf man keine Extensivierungs oder Ökoförderung beantragen. Nun ging es um solche, von denen die Bewirtschafter gar nicht wussten, dass auf ihren Flächen förderschädliche Kompensationsmaßnahmen stattgefunden hatten. Beispiel für solche Maßnahmen: ich will etwas umweltschädigendes, im besten Fall beeinträchtigendes bauen, üblicherweise in begünstigter Region, und pflanze als Ausgleich dafür z.B. irgendwo eine Anzahl Bäume in ländlicher Gegend. Eigentlich muss der Flächeneigentümer dann dort stattfindende Pflegearbeiten bezahlen, weil der Bewirtschafter ja kein öffentliches Geld erhält. Voraussetzung: die Kompensation muss angegeben werden. Hätte angegeben werden müssen, hätte überprüft werden müssen,...
Aktuell wissen viele Eigentümer und fast alle Bewirtschafter nichts von teilweise vor Jahrzehnten stattgefundenen Maßnahmen. Bei der aktuellen Rechtslage kann es sein, dass für diese Versäumnisse, der Bewirtschafter der Fläche, der in gutem Glauben gehandelt hat, sanktioniert wird. Im schlechtesten Fall muss er für fünf Jahre Agrargelder zurückzahlen-  möglicherweise  für alle Flächen, nicht nur für die aus Unwissenheit beantragten. Das dürfte etliche Betriebe umbringen. Betriebe, die nichts dazu können, dass man ihnen die Informationen vorenthalten hat.
Ob irgendwer sich einen  Ablassbrief erkauft hat, indem er eine solche Kompensationsmaßnahme gestartet hat, beeinträchtigt nicht die Leistung auf der Fläche, nicht die Ökologie- wohl aber das Förderrecht. Das könnte man "im Zweifel für den Angeklagten" regeln (das ist der Bewirtschafter, wenn er eine Anhörung mit Sanktionsandrohung erhält). Erfahrungsgemäß geschieht das eher selten.

Zum Glück hat das Ministerium das in diesem Sektor vorhandene Durcheinander erkannt und den Erlass zurückgenommen.
Somit können wir weiter als Biolandbetrieb unsere Arbeit fortsetzen. Das macht uns sehr froh.

Im Nachfolgenden kurz erklärt, was die Angelegenheit so heikel macht:

Hätten wir eine etwaige Rückzahlung überlebt in Bezug auf Flächen, die wir zum Artenschutz seit bald dreißig Jahren beweiden, teilweise inzwischen gekauft haben- alles ohne Information über Kompensation- wären uns kaum Flächen geblieben, für die wir Ökolandbauprämie hätten beantragen können. Denn für die vielen Naturschutzbereiche, die im Ökolandbau gern gesehen sind, gibt es nicht nur keine Zuwegung und keinen Wasseranschluss, sondern auch kein Geld. Vom verbleibenden Teil hätte die Hälfte der Anbauverband und die Kontrollstelle bekommen. Denn die kontrolliert natürlich den gesamten Betrieb,jede Fläche, jedes zuarbeitende Unternehmen (Schlachtbetrieb, Saftpresse,...).
Die wenigen Biotiere, die jemand für die Zucht braucht, können dies natürlich nicht ausgleichen. 
Unser Fleisch erzielt nicht einmal ein Drittel dessen, was man in einer größeren Stadt in OWL bezahlt- es ist nicht schlechter, aber wer so marktfern ist, kann seiner überzeugten Kundschaft keine regional unverhältnismäßigen Preise abknöpfen. Die Kunden kaufen nicht wegen Bio, sie kaufen, weil sie von unserer regionalen Produktionsweise und Qualität überzeugt sind. Sie können unsere Tiere sehen, draußen und - ohne Corona- auch im Stall.
Nach zwanzig Jahren hätten wir weiter ökologisch, aber ohne Siegel arbeiten müssen, weil wir uns den "Luxus" kontrolliert zu werden, nicht hätten leisten können. Verkehrte Welt eigentlich. Nur noch regional, artgerecht und so gut wie bisher.

Wir sind froh, dass es weitergeht. Vielleicht zukünftig sogar planbarer, damit solche  Ängste (und die vielen anderen Ängste gut arbeitender Landwirte, Schäfer, Forstleute uvm.) nicht immer Alltagsbegleiter derer sind, die gesellschaftliche Leistungen erbringen, die sich nicht im Portemonnaie niederschlagen. Daher zu oft auf Programme angewiesen sind, die dann nicht greifen, nicht ankommen oder zu spät und unter Rückzahlungsvorbehalt...
In dieser Zeit empfinden dies im Agrarbereich allgegenwärtige Gefühl von Ohnmacht und Ausgeliefertsein auch ganz viele andere Berufsgruppen- hoffentlich wird das Neue Jahr besser, als zu erwarten steht.